Es ist die Frage, die unsere Händler am häufigsten hören: „Meine Spritze ist acht Jahre alt und von einer anderen Marke. Kann man GPS nachrüsten?“ Die kurze Antwort lautet: ja, bei fast allen. Die lange Antwort ist dieser Artikel.
Zuerst klären, was das GPS leisten soll
„GPS nachrüsten“ kann drei verschiedene Dinge bedeuten, mit unterschiedlichen Preisen und unterschiedlichem Einbau:
- Spurführung (Navigation): eine A–B-Linie und ein Lichtbalken auf einem Bildschirm. Der Fahrer folgt den parallelen Fahrten am Display statt nach Augenmaß; die Überlappung sinkt und Arbeiten bei Nacht wird möglich. Das Ventilsystem bleibt unberührt. Dafür ist der Nova 2N da.
- Spurführung plus automatische Teilbreitenschaltung: Der Rechner führt eine Feldkarte, und die Teilbreiten des Gestänges schalten selbstständig ab, sobald sie auf bereits behandelte Fläche fahren oder die Feldgrenze verlassen. Dafür braucht die Spritze einen elektrischen Ventilsatz. Der Nova 200 oder ein Kit wie der Nova 2N Field 500 gehören in diese Klasse.
- Automatische Lenkung: Das System dreht das Lenkrad. Das ist eine separate Investition auf der Traktorseite und nicht Thema dieses Artikels.
Rund 80 Prozent der Landwirte wollen Option zwei, denn dort liegt die Einsparung an Pflanzenschutzmitteln. Darum geht es im Folgenden.
Welche Spritzen sind geeignet?
Die Regel ist einfach: Jede Maschine mit einem Standard-Ventilblock lässt sich umrüsten. Marke, Alter und Gestängebreite spielen keine Rolle. Die Checkliste:
- Teilbreitenventile: Hat das Gestänge getrennte Leitungen für 2, 5 oder 7 Teilbreiten? Wenn nicht, werden Teilbreitenventile (5W oder 7W) mit dem Kit geliefert.
- Hauptventil und Druckregelung: Ein handbetätigter Regler wird durch ein Proportionalventil (motorisch) ersetzt. Damit hält der Rechner die Aufwandmenge.
- Durchflussmesser: nötig für die Messung in Litern pro Hektar. Der Wolf-Durchflussmesser ist im Kit serienmäßig enthalten.
- 12 V Strom in der Kabine: hat jeder Traktor.
- Geschwindigkeitssignal: kommt vom GPS; ein Radsensor ist nicht erforderlich.
All das steckt im 20 BAR 5W Elektroventilsatz mit Wolf-Durchflussmesser. Der Händler baut Ihren vorhandenen Ventilblock aus und setzt das Kit an dieselben Flansche, weshalb „bei einer alten Spritze geht das nicht“ in der Praxis so gut wie nie vorkommt.
Die Kabinenseite: mit Kabel oder per Funk?
Bei der klassischen Installation läuft ein 4,5 Meter langes Ventilkabel zwischen Rechner und Ventilen. Es führt durch die Kabinentür und wird bei jedem Traktorwechsel abgesteckt.
Die mit dem Katalog 2026 eingeführte AIR ECU ändert das: Die ECU wird auf der Spritze neben den Ventilen montiert, der Ventilkabelbaum wird dort eingesteckt, und die Verbindung zur Kabine läuft per Funk. Für Betriebe, die die Spritze zwischen zwei Traktoren wechseln oder mit einem Leihtraktor arbeiten, ist der Unterschied groß; in der Kabine bleiben nur der Rechner und eine kleine Schaltbox. Die Kits Nova 2N Field 500 und Field 700 werden mit dieser Architektur geliefert.
Antennenwahl: Ist RTK nötig?
Nein. Die für die Teilbreitenschaltung nötige Genauigkeit hängt von der Breite einer Teilbreite ab. Bei einem 24-Meter-Gestänge ist eine Teilbreite etwa 5 Meter breit; die Cross 200-Antenne mit 30 bis 60 cm ist mehr als ausreichend und braucht kein Abonnement.
RTK (Cross 300) lohnt sich für Obst- und Weinbau mit engen Reihen, Bandspritzung, einen geplanten Umstieg auf automatische Lenkung oder Felder, auf denen das Signal unter Bäumen abreißt. Die eingebaute IMU der Cross 300 hält die Position am Hang und im Schatten.
Wenn Sie wissen möchten, wie genau ein Empfänger wirklich ist, probieren Sie den GPS-Tacho mit Ihrem Handy auf dem Feld aus; landwirtschaftliche Antennen sind merklich stabiler.
Was passiert am Montagetag?
Unsere Händler folgen einem Standardablauf:
- Vormittag: Der alte Ventilblock wird ausgebaut, Elektroventilsatz und Durchflussmesser werden eingebaut. Schläuche und Manometer werden angeschlossen. Etwa 2 Stunden.
- Mittag: Der Rechner wird in der Kabine montiert, die Antenne auf dem Kabinendach. Ist eine AIR ECU dabei, wird sie an die Spritze geschraubt. 1 Stunde.
- Nachmittag: Kalibrierung: Gestängebreite, Anzahl der Teilbreiten, Düsenabstand und Impulsfaktor des Durchflussmessers werden eingegeben. Eine Testfahrt mit Wasser prüft, ob die Teilbreiten auf der Karte korrekt abschalten. 1 bis 2 Stunden.
- Fahrereinweisung: A–B-Linie anlegen, Feldgrenze aufzeichnen, Pausenpunkt und Auftragsdokumentation. 1 Stunde.
Am nächsten Morgen ist die Maschine einsatzbereit. Wer den Ausstoß seiner Düsen vorab kennt, beschleunigt die Kalibrierung; der Düsenrechner wählt die richtige Düse für Ihre Aufwandmenge und Geschwindigkeit.
Wie sich die Kosten zusammensetzen
Ein Kitpreis besteht aus drei Teilen: Rechner und Antenne, Elektroventilsatz (je nach Anzahl der Teilbreiten) und Kabel. Die Amortisation kommt aus der Einsparung an Pflanzenschutzmitteln; im nächsten Artikel beziffern wir sie mit der Berechnung des Überlappungsverlusts.
Drei häufige Fehler
- Die Antenne hinten an der Kabine montieren. Sie gehört in die Mitte des Kabinendachs, in Linie mit der Gestängeachse; sonst schalten die Teilbreiten zu spät.
- Den falschen Düsenabstand eingeben. 25 cm statt 50 cm verdoppeln die Aufwandmenge. Füllen Sie den Kalibrierbildschirm gemeinsam mit dem Händler aus.
- Den Durchflussmesser ohne Filter einbauen. Der Leitungsfilter aus dem Kit sitzt vor dem Durchflussmesser; lassen Sie ihn weg, driften die Messwerte innerhalb einer Saison.
Senden Sie uns Ihre Spritzenmarke und Gestängebreite über das Kontaktformular; ein Händler antwortet Ihnen mit dem passenden Kit und einem Montagetermin.